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Die Herausforderungen sind vielseitig
Frauenberatungsstelle Oberhausen besteht seit 35 Jahren und freut sich über Unterstützung
Ein Artikel in der Juni/Juli 2020 Oh!-Ausgabe


In den 1980er Jahren entstanden neben den Frauenhäusern vielerorts auch Frauenberatungsstellen. Die Arbeit der Oberhausener Frauenberatungsstelle, die heute an der Helmholtzstr. 48 in der City zu erreichen ist, begann vor 35 Jahren im Januar 1985. Die Frauenhäuser waren seinerzeit oft die einzige Anlaufstelle für Frauen und es zeigte sich, dass darüber hinaus Frauen dringend einen Ort benötigten, an dem sie gestärkt wurden, Entscheidungen zu treffen und Veränderungen ihrer Lebenssituation zu gestalten.

Vieles, was in der zweiten Welle der Frauenbewegung erreicht wurde, wie das Recht auf Selbstbestimmung, Abschaffung des § 218, das reformierte Ehe- und Scheidungsrecht und das Gesetz der Gleichbehandlung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz, wird heute als Selbstverständlichkeit angesehen. Doch der Einsatz für Gleichberechtigung im Privat- und Arbeitsleben ist weiterhin notwendig. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geschlechtergerechte Bezahlung, die Aufteilung der meist unbezahlten Care-Arbeit, #metoo, Antirassismus und Körperpolitik sind Themen, die aktuell diskutiert und von Mädchen und Frauen erlebt werden. Einzelfallberatung bei Lebensumbrüchen und -krisen, häuslicher und sexualisierter Gewalt, Stalking oder Trennung/Scheidung ist heute die Hauptaufgabe der Fachkräfte in der Oberhausener Beratungsstelle. Gleichzeitig sind Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung und Prävention wichtige Bausteine, um die Gesellschaft zu informieren und Frauen vor Gewalt zu schützen. Denn die Zahlen sind auch nach 35 Jahren immer noch schockierend. Dipl.-Sozialarbeiterin Katharina Runkler: »Jede vierte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt. Jede siebte Frau ist in ihrem Leben von strafrechtlich relevanter sexualisierter Gewalt betroffen.“

Die neuen Herausforderungen sind, so Runkler, vielseitig: Angebote für Frauen mit Behinderung, mit Fluchthintergrund, für ältere Frauen und andere Zielgruppen müssen bereitgestellt und ausgebaut werden, damit auch diese Frauen in ihrer besonderen Verletzlichkeit anerkannt werden. Durch digitalisierte Gewalt sei eine neue Dimension der Gewalterfahrung für die Frauen hinzugekommen, hier sei spezialisiertes Wissen der Beraterinnen gefragt.

Die Finanzierung von Fachberatungsstellen wird von Ländern und Kommunen nach wie vor nur im Rahmen »freiwilliger Leistungen« gestellt und muss stets neu beantragt werden. Deshalb freuen sich die Mitarbeiterinnen der Frauenberatungsstelle Oberhausen über jede Unterstützung, sei es durch aktive Mitarbeit, beispielsweise im Verein Frauen helfen Frauen, die Verbreitung von Frauenthemen oder auch Geldspenden für die Umsetzung von Projekten.

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